Sofia / Bulgarien 2003 „Welche Masse - Welches Gewicht?”

Bei meinen Besuchen in Sofia sah ich an vielen Stellen Leute an der Straße sitzen, vor ihnen Personenwaagen, daneben Becher für die Münzen der Passanten, die ihr Gewicht auf den Waagen gemessen hatten. Diese alltägliche, banale Szene war eine Aufforderung zu einer Selbstbefragung „Welche Masse – Welches Gewicht? die ich aufgriff und in Gestalt von hinter einander gereihten Polaroidfotos von Personenwaagen und – erweitert durch ebensolche banalen Objekten wie Ventilatoren und Jalousien in der Ausstellung zeigte. Der Betrachter bleibt ganz mit seiner Alltagsrealität konfrontiert. Kein Symbol transzendiert die Erfahrung mit ihr. Die Fotos zeigen leere Glieder einer Kette, die vom Betrachter mit seinen realen Alltagserfahrungen gefüllt und beliebig ergänzt werden können. Diese Bilder machen keinen Sinnvorschlag. Es gibt keinen Vordenker, keinen Vorkoster. Das Konzept ist Beiläufigkeit, anti-beeindruckend, kein Tatendrang, keine Scharfeinstellung – eher das „Fade“. Das habe ich in meinen „Seestücken“ dieser Ausstellung weiter ausgeführt. Ihr Reiz liegt in der nicht-eindeutigen Perspektive, der Bewegung zwischen den Horizonten. Nicht nur die Meeresoberfläche hat einen Horizont, auch der Meeresboden hat einen. Aber was umschreiben sie? Keinen Punkt setzen, sondern einen offenen Rahmen.